Wertschätzender Kommentar

Wertschätzender Kommentar
Den Abschluss der ersten Phase bildet der Wertschätzende Kommentar. Diese Variante wurde im Studienseminar Lüneburg für das Lehramt für Sonderpädagogik für KoBeSu vom Autor entwickelt.
In der ersten Beratungsphase erfährt die Ratsuchende vorwiegend Klärungshilfe im Sinne des aktiven Zuhörens. Durch den Wertschätzenden Kommentar können die Berater auch von sich etwas mitteilen, was bei der Ratsuchenden als „warmer Regen“ ankommt.


Hier finden Sie ein Arbeitspapier zum Wertschätzenden Kommentar zum Herunterladen.


Ausgesprochen wird der Wertschätzende Kommentar in einer Sprechsteinrunde, eingeleitet durch den Moderator. Die Berater formulieren reihum aus ihrer Sicht, was bei der Ratsuchenden trotz des geschilderten Problems gelingt, wo Kraftquellen gesehen werden und was die Ratsuchende vielleicht ausprobieren könnte. Dabei wird eher vorsichtig, unsicher, suchend „konjunktivisch“ („es könnte sein…“, ich bin mir nicht sicher …“) resümiert, statt Ratschläge und Empfehlungen zu geben.
(vgl. Schlippe & Schweitzer. 1996)

Damit ist die erste KoBeSu Phase abgeschlossen, der Moderator erläutert zum Beginn der Pause, dass in der ersten Phase der Ratsuchenden zugehört wurde. In der Pause darf über alles geredet werden, nur nicht über das Anliegen der Ratsuchenden.


Wertschätzender Kommentar – Impulse aus der systemischen Beratung
zum Abschluss der ersten KoBeSu Phase

Die erste KoBeSu Phase dient dazu, dass die ratsuchende Person ihre Sichtweisen, ihre Subjektiven Theorien ausspricht (expliziert), um sie damit einer möglichen Veränderung zugänglich zu machen.
In der ersten Beratungsphase spricht die ratsuchende Person viel und erfährt von den Beratern
vorwiegend Klärungshilfe im Sinne des Paraphrasierens und Reflektierens.
Der Wertschätzende Kommentar zum Abschluss der ersten Beratungsphase ist eine gute Möglichkeit, die Phase abzurunden. Die Berater können von sich aus etwas geben/sagen, was bei der ratsuchenden Person als „warmer Regen“ ankommt.
Der wertschätzende Kommentar kann als Variation der Konfrontationsmethode Ressourcen klären
gesehen werden. Anstatt die Ratsuchende Person zu fragen: „Wo hast Du für dieses Problem Deine
Ressourcen und welche müsstest Du eventuell noch erwerben?“ formulieren die Berater reihum aus
ihrer Sicht, was dennoch gelingt und wo Kraftquellen gesehen werden und was die ratsuchende
Person vielleicht ausprobieren könnte.
Um Informationen für den Wertschätzenden Kommentar zu sammeln, können sich die Berater selbst
Fragen nach Ausnahmen bzw. Fragen nach Erfolgen / Ressourcen stellen oder auch die eine oder
andere Frage im Beratungsprozess quasi nebenbei direkt an die ratsuchende Person richten:
Fragen nach Ausnahmen:
Gibt es Ausnahmen, wann das Problem nicht aufgetreten ist?
Was hast du in diesen Zeiten anders gemacht?
Wie hast du es geschafft, das Problem nicht auftreten zu lassen?
Fragen nach Erfolgen / Ressourcen:
Es ist nicht leicht … zu tun, wie hast du das geschafft?
Die Bedingungen unter denen du arbeitest, sind alles andere als rosig. Woher nimmst du die Kraft, hier durchzuhalten?
Was möchtest du so lassen, wie es ist?
Was läuft bei dir momentan am Besten? Was machst du gern, gut?
Was kannst du tun, damit das Problem noch schlimmer wird?
Ausgesprochen wird der Wertschätzende Kommentar in einer Sprechsteinrunde, eingeleitet durch
die Moderation, in der die Berater ein oder mehrere Sätze formulieren, was sie trotz des
geschilderten Problems bei der ratsuchenden Person wertschätzen können:
Dabei wird eher vorsichtig, unsicher, suchend „konjunktivisch“ („es könnte sein…“, ich bin mir nicht sicher …“) resümiert, statt Ratschläge und Empfehlungen zu geben. Antworten auf die Fragen nach
Ausnahmen/ Erfolgen / Ressourcen geben eine Grundlage hierfür:
a) Anerkennung / Wertschätzung
– Wertschätzen was ist! – Ausnahmen und Alternativen vom Problemverhalten
– Hinweise auf wahrgenommene Fähigkeiten – auch Würdigung von Leid
– Ressourcen benennen
b) Handlungsvorschläge
Handlungsvorschläge stehen (ggf.) am Ende des Kommentars und können das Gesagte
konkretisieren. Die Handlungsvorschläge sollten zeitlich immer befristet sein:
– als „Experiment“,
– „bis zum nächsten Mal“ oder
– „nur vorläufig empfohlen“.
Dabei lassen sich die Formen:
– „Mehr desselben tun“,
– „Etwas unterlassen“ und
– „Etwas Neues erproben“ unterscheiden.
(vgl. Schlippe, Schweitzer. Lehrbuch der systemischen Therapie und Beratung. Göttingen 1996, die Kapitel: Kommentare,
Schlussinterventionen, Die Arbeit mit dem Reflektierenden Team)