a) Auftauchende Bilder und Assoziationen 001

a) Auftauchende Bilder und Assoziationen
Eine besonders sanfte Konfrontation ergibt sich, wenn alle Gruppenmitglieder der Reihe nach ihre Bilder und Assoziationen beschreiben, die ihnen beim Zuhören in der ersten Hauptphase gekommen sind. Das könnten beispielsweise Kindheitserinnerungen, Gedanken an eine Filmszene, Romantitel, Allegorien, Phantasiegeschichten, Kunstwerke oder ähnliches sein. Die Teilnehmer benutzen hierzu den Sprechstein und die Äußerungen werden nicht diskutiert. Auch der Ratsuchende hat sich diese Bilder und Assoziationen nur anzuhören. Sie können ihn anregen, sich und seine Situation aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten. (Anders als in Balintgruppen wird mit diesem Material nicht – deutend – weitergearbeitet.)

(zitiert aus: Jörg Schlee. Veränderung Subjektiver Theorien durch Kollegiale Beratung und Supervision (KoBeSu). S. 162)

b) Relativierungen durchdenken 002

b) Relativierungen durchdenken
In dieser Unterphase stellen die Gruppenmitglieder unter Zuhilfenahme des Sprechsteins dem Ratsuchenden der Reihe nach dieselbe Frage, nämlich
“Was wäre schlimmer (als das, was Du uns berichtet hast)?”
Auf jede Antwort der Ratsuchenden geben die Gruppenmitglieder verständnisvolle Resonanz. Es ist wichtig, daß dieselbe Frage im Wortlaut immer wieder gestellt wird. – Auch hier darf zum Abschluß der Unterphase keine Bilanz gezogen werden, etwa in dem Sinne “Na ja, verglichen mit dem, was sonst noch so alles passieren könnte, geht es Dir ja noch recht gut. Also: Kopf hoch, es wird schon werden!” D.h., wie bei allen anderen Unterphasen sollen die Ratsuchenden keine “Erfolgsmeldungen” bringen müssen.

(zitiert aus: Jörg Schlee. Veränderung Subjektiver Theorien durch Kollegiale Beratung und Supervision (KoBeSu). S. 162f)

c) Die eigenen Anteile klären 003

c) Die eigenen Anteile klären
In dieser Unterphase wird wiederum unter Benutzung des Sprechsteins die ratsuchende Person von allen Gruppenmitgliedern der Reihe nach gefragt
“Was hat das (was Du uns erzählt hast) mit Dir zu tun?”
Auf jede Antwort des Ratsuchenden haben die Gruppenmitglieder mit verständnisvoller Resonanz zu reagieren.

(zitiert aus: Jörg Schlee. Veränderung Subjektiver Theorien durch Kollegiale Beratung und Supervision (KoBeSu). S. 163)

d) Den Anteil von Handeln und Erdulden klären 004

d) Den Anteil von Handeln und Erdulden klären
In dieser Unterphase fragen die Gruppenmitglieder den Ratsuchenden wiederum der Reihe nach
“Wo bist Du in dieser Angelegenheit (die Du uns erzählt hast) das Opfer und wo bist Du der Akteur?”

(zitiert aus: Jörg Schlee. Veränderung Subjektiver Theorien durch Kollegiale Beratung und Supervision (KoBeSu). S. 163)

f) Ambivalenzen nachspüren 005

f) Ambivalenzen nachspüren
Diese Unterphase wird von der Chairperson mit der Erläuterung eingeleitet, dass Probleme und Schwierigkeiten in der Regel nie völlig eindeutig seien, sondern oft ganz unterschiedliche Facetten enthalten können. Danach fragen die Gruppenmitglieder den Ratsuchenden in der bekannten Prozedur:
“Was von dem Problem (das Du uns erzählt hast) möchtest Du loslassen und was möchtest Du davon behalten?”

(zitiert aus: Jörg Schlee. Veränderung Subjektiver Theorien durch Kollegiale Beratung und Supervision (KoBeSu). S. 163)

g) Innen- und Außensteuerung bemerken. 015

g) Innen- und Außensteuerung bemerken.

Diese Unterphase wird von der Chairperson mit der Bemerkung eingeleitet, daß es in unserem Leben wich tige Bezugspersonen geben kann. Manchmal können sie für uns und unser Handeln sogar auch dann noch eine Rolle spielen, wenn sie gar nicht anwe send sind oder vielleicht sogar nicht einmal mehr am Leben sind. Nach dieser Erläuterung fragen die Gruppenmitglieder in der bekannten Prozedur: »Wo könnten für Dich in Deinem Problem (das Du uns geschildert hast) andere Personen eine Rolle spielen und wer könnte das eventuell sein?« Hierbei muß die Vorsichtigkeit der Anfrage durch den Konjunktiv und das Wörtchen »even tuell« unbedingt eingehalten werden. Alles andere erfolgt wie in den bereits beschriebenen Unterphasen.

(zitiert aus: Jörg Schlee. Veränderung Subjektiver Theorien durch Kollegiale Beratung und Supervision (KoBeSu). S. 163)

h) Paradoxe Empfehlungen geben 006

h) Paradoxe Empfehlungen geben
In dieser Unterphase behält die Chairperson die Fäden in der Hand. Sie spricht die anderen Gruppenmitglieder unter Namensnennung der Reihe nach mit der Frage an: “Was sollte Deiner Ansicht nach … (Namen des Ratsuchenden) tun, damit sich sein geschildertes Problem verschlimmert und weiter zuspitzt?” Und nun sollen die Gruppenmitglieder sogenannte paradoxe Empfehlungen aussprechen. Dabei können/ sollen auch Deftigkeiten und Übertreibungen genannt werden. Diese Unterphase provoziert in aller Regel das Gelächter aller Beteiligten, weshalb sie keineswegs nur einen Albernheitseffekt zu haben braucht. In ihr können auch “schlechte” Gefühle und Motive angesprochen werden, was für den Ratsuchenden entlastend und befreiend wirken kann. In dieser Unterphase braucht nicht alles so “streng” zu verlaufen. Es wäre kein grober Verstoß gegen den Geist des Modells, wenn in ihr die Gruppenmitglieder sich auch einmal gegenseitig unterbrechen und in ihren “gut gemeinten” Ratschlägen noch überbieten.

(zitiert aus: Jörg Schlee. Veränderung Subjektiver Theorien durch Kollegiale Beratung und Supervision (KoBeSu). S. 164)

i) Die sechs Fragen stellen 007

i) Die sechs Fragen stellen
In dieser Unterphase können/sollen dem Ratsuchenden folgende 6 Fragen gestellt werden: “Was fühlst Du? Was willst Du? Was tust Du? Was vermeidest Du? Was erwartest Du? Was befürchtest Du?”
Jedes Gruppenmitglied stellt immer nur eine Frage. Es ist in der Auswahl der Frage völlig frei. Dadurch ergeben sich bei den Fragen insgesamt unterschiedliche Folgen und Häufungen. Die Bezugspunkte für die Fragen bzw. die Antworten wählt sich der Ratsuchenden selbst aus. Diese sechs Fragen können den Ratsuchenden sehr stark mit eigenen Unklarheiten konfrontieren. Sie können ihn treiben – um in einem Bild zu sprechen – wie sechs Hunde einen Hasen hetzen. Daher muß die Chairperson vor Beginn der Fragen den Ratsuchenden nochmals an die Störungskarte erinnern. Diese ist sofort umzudrehen, wenn die psychische Sicherheit nicht mehr gewährleistet ist. Ferner bittet die Chairperson die anderen Gruppenmitglieder darum, in dieser Runde das Tempo durch kleine Pausen zwischen den Fragen etwas zu verlangsamen. Alles andere verläuft in dem bereits beschriebenen Ritual. Doch soll gerade bei dieser Phase nochmals die Wichtigkeit der anteilnehmenden Resonanz auf die Antworten hervorgehoben werden.

(zitiert aus: Jörg Schlee. Veränderung Subjektiver Theorien durch Kollegiale Beratung und Supervision (KoBeSu). S. 164)

j) Voraussetzungen klären 008

j) Voraussetzungen klären
In dieser Unterphase sollen die äußeren Rahmenbedingungen des Problem “abgeklopft” werden. Das geschieht dadurch, daß die Gruppenmitglieder den Ratsuchenden fragen: “Was wäre (in Deinem Problem), wenn … ?”
In dem Wenn-Satz sind nun Alternativen zu den bisherigen Gegebenheiten zu formulieren.
Beispielsweise: – Wenn Dein Kontrahent ein Mädchen wäre? – Wenn Du drei solcher Schüler in Deiner Klasse hättest? – Wenn Du ein geringeres Stundendeputat zu bewältigen hättest? – Wenn Dein Klassenraum die doppelte Größe hätte? Wenn Dein Schulleiter im Stadtrat säße? Wenn Deine Wohnung nicht im Schulbezirk läge? Wenn der Schulrat ein zynischer Menschenverächter wäre? Wenn Dein Stundenplan anders gesteckt wäre? Wenn Deine eigenen Kinder älter wären? Wenn Du den Unterricht in einem anderen Fach erteilen müßtest? Usw.
Es soll also nach äußeren Gegebenheiten und nicht nach Handlungen der ratsuchenden Person (i.S. “Hast Du schon mal … probiert?”) gefragt werden.

(zitiert aus: Jörg Schlee. Veränderung Subjektiver Theorien durch Kollegiale Beratung und Supervision (KoBeSu). S. 164f)