Wertschätzender Kommentar

Wertschätzender Kommentar – Impulse aus der systemischen Beratung
zum Abschluss der ersten KoBeSu Phase

Die erste KoBeSu Phase dient dazu, dass die ratsuchende Person ihre Sichtweisen, ihre Subjektiven Theorien ausspricht (expliziert), um sie damit einer möglichen Veränderung zugänglich zu machen.
In der ersten Beratungsphase spricht die ratsuchende Person viel und erfährt von den Beratern
vorwiegend Klärungshilfe im Sinne des Paraphrasierens und Reflektierens.
Der Wertschätzende Kommentar zum Abschluss der ersten Beratungsphase ist eine gute Möglichkeit, die Phase abzurunden. Die Berater können von sich aus etwas geben/sagen, was bei der ratsuchenden Person als „warmer Regen“ ankommt.
Der wertschätzende Kommentar kann als Variation der Konfrontationsmethode Ressourcen klären
gesehen werden. Anstatt die Ratsuchende Person zu fragen: „Wo hast Du für dieses Problem Deine
Ressourcen und welche müsstest Du eventuell noch erwerben?“ formulieren die Berater reihum aus
ihrer Sicht, was dennoch gelingt und wo Kraftquellen gesehen werden und was die ratsuchende
Person vielleicht ausprobieren könnte.
Um Informationen für den Wertschätzenden Kommentar zu sammeln, können sich die Berater selbst
Fragen nach Ausnahmen bzw. Fragen nach Erfolgen / Ressourcen stellen oder auch die eine oder
andere Frage im Beratungsprozess quasi nebenbei direkt an die ratsuchende Person richten:
Fragen nach Ausnahmen:
Gibt es Ausnahmen, wann das Problem nicht aufgetreten ist?
Was hast du in diesen Zeiten anders gemacht?
Wie hast du es geschafft, das Problem nicht auftreten zu lassen?
Fragen nach Erfolgen / Ressourcen:
Es ist nicht leicht … zu tun, wie hast du das geschafft?
Die Bedingungen unter denen du arbeitest, sind alles andere als rosig. Woher nimmst du die Kraft, hier durchzuhalten?
Was möchtest du so lassen, wie es ist?
Was läuft bei dir momentan am Besten? Was machst du gern, gut?
Was kannst du tun, damit das Problem noch schlimmer wird?
Ausgesprochen wird der Wertschätzende Kommentar in einer Sprechsteinrunde, eingeleitet durch
die Moderation, in der die Berater ein oder mehrere Sätze formulieren, was sie trotz des
geschilderten Problems bei der ratsuchenden Person wertschätzen können:
Dabei wird eher vorsichtig, unsicher, suchend „konjunktivisch“ („es könnte sein…“, ich bin mir nicht sicher …“) resümiert, statt Ratschläge und Empfehlungen zu geben. Antworten auf die Fragen nach
Ausnahmen/ Erfolgen / Ressourcen geben eine Grundlage hierfür:
a) Anerkennung / Wertschätzung
– Wertschätzen was ist! – Ausnahmen und Alternativen vom Problemverhalten
– Hinweise auf wahrgenommene Fähigkeiten – auch Würdigung von Leid
– Ressourcen benennen
b) Handlungsvorschläge
Handlungsvorschläge stehen (ggf.) am Ende des Kommentars und können das Gesagte
konkretisieren. Die Handlungsvorschläge sollten zeitlich immer befristet sein:
– als „Experiment“,
– „bis zum nächsten Mal“ oder
– „nur vorläufig empfohlen“.
Dabei lassen sich die Formen:
– „Mehr desselben tun“,
– „Etwas unterlassen“ und
– „Etwas Neues erproben“ unterscheiden.
(vgl. Schlippe, Schweitzer. Lehrbuch der systemischen Therapie und Beratung. Göttingen 1996, die Kapitel: Kommentare,
Schlussinterventionen, Die Arbeit mit dem Reflektierenden Team)

Präzisierendes Nachfragen

Die erste Phase dauert zwischen 15 Minuten bis zu 45 Minuten. Um sorgfältig arbeiten zu können, ist mehr Zeit günstiger. Hat die Ratsuchende ihre subjektiven Sichtweisen hinreichend aussprechen können, kann der Moderator die Unterphase des „Präzisierenden Nachfragens“ einläuten. In der Unterphase „Präzisierendes Nachfragen“ können Fragen zu den subjektiven Theorien gestellt werden, es geht um die W-fragen: wer, was, wann, wie, wo. z.B.: „Was ist dir durch den Kopf gegangen?“, „Wie hast du die Äußerungen deines Kollegen interpretiert?“…. In der Regel wird nicht nachgefragt.
KEIN: wieso, weshalb, warum, …
W-Fragen, welche ergründen, sind verboten, weil sie zur Verfestigung der
Kernannahmen bzw. der Verklebung mit den Prämissen führen.

Die Einleitung der Unterphase erfolgt durch die Moderation:
„Dürfen wir dir noch ein paar Fragen stellen?“

W-Fragen: wer, was, wann, wie, wo …
z.B.: Was hast du in dieser Situation gefühlt oder empfunden?
Was ist dir durch den Kopf gegangen?
Wie hast du die Äußerungen der anderen Beteiligten interpretiert?
Was meinst du, wenn du … sagst?
Was wolltest du mit deinem Verhalten erreichen?

Aktives Zuhören

Das aktive Zuhören ist die klassische Methode der Selbstklärungshilfe (Selbstaktualisierung), bekannt aus der Klientenzentrierten Gesprächstherapie nach Carl Rogers. Es ist eine wichtige Basis, um den Klärungsprozess eines Ratsuchenden / Klienten zu unterstützen. Im Rahmen der Kollegialen Beratung und Supervision (KoBeSu) wird durch das aktive Zuhören ermöglicht, dass ein Ratsuchender seine Sichtweisen umfassend darstellen kann. Nur ausgesprochene Vorstellungen sind einer Veränderung zugänglich.

Das aktives Zuhören hat zum Ziel, dem Gesprächsparter bei der eigenen Entwicklung zu helfen bzw. bei der Klärung seiner Anliegen.
Es muß durch die innere Haltung und Einstellung des Zuhörenden getragen werden.
Die Anwendung der bloßen Gesprächstechnik verfehlt das Ziel, der Gesprächspartner fühlt sich möglicherweise manipuliert, nicht ernst genommen oder gar fertig gemacht.
Die Übung der unten stehenden Gesprächstechniken steht zum erfolgreichen aktiven Zuhören, wie die isolierte Übung von Einwurf, Elfmeter etc. zum Fußballspiel.

1. Zeigen Sie, daß sie zuhören (nonverbale Rückmeldung)
Zugewandte Körperhaltung, Blickkontakt, nicken
Äußerungen wie: „hmm“, „ja“, „aha“

2. Umschreiben / Paraphrasieren (inhaltliche Rückmeldung)
Wiederholen Sie mit Ihren eigenen Worten, was gesagt wurde. So merkt Ihr Gesprächspartner, ob alles richtig bei Ihnen angekommen ist und kann Mißverständnisse korrigieren.
Beispiele für Satzanfänge:
„Habe ich dich richtig verstanden …“
„Ich habe gehört, daß …“
„Du meinst also …“
„Ich möchte das, was du gesagt hast mal mit meinen Worten zusammenfassen“
„… Habe ich dich so richtig verstanden?“
„Bei mir ist angekommen, …“

3. Reflektieren (emotionale Rückmeldung)
Beim „Reflektieren“ handelt es sich um eine „Gesprächstechnik“ aus der von Carl Rogers entwickelten Gesprächspsychotherapie. Gefühle und Wünsche des Gesprächspartners sollen möglichst genau erfaßt werden. Dieser (vermutete) Gefühlszustand und/oder Wunsch wird dem Gesprächspartner wiedergespiegelt.

Vorgehen:
Hören Sie aufmerksam zu. Versuchen Sie sich in die Situation und das Befinden Ihres Gesprächspartners hineinzuversetzen.
Welches Gefühl mag in ihr / ihm stecken?
Welcher Wunsch steckt hinter der Äußerung?
Jetzt formulieren Sie den vermuteten Wunsch / das Gefühl als Aussagesatz.

Beispiele für Gefühlsansprache:
„Du bist verärgert.“
„Das hat dich überrascht.“
„Das nervt dich.“
„Du weißt garnicht, wohin mit deiner Wut.“
„Jetzt fühlst du dich verletzt.“
„So etwas langweilt dich schrecklich.“
„Das zieht dir glatt die Schuhe aus.“
„Du fühlst dich pudelwohl.“

Bespiele für Wunschansprache:
„Du möchtest vom Druck befreit sein.“
„Du wünschst dir mehr Verständnis.“
„Du möchtest das alleine machen.“
„Du hast dir so sehr etwas anderes gewünscht.“
„Du möchtest gern einen Sinn erkennen können.“
„Du brauchst einfach mehr Freiheit.“
„Du wüßtest gern, wie es weitergehen soll.“
„Du hättest lieber einen männlichen Lehrer.“

also:
keine Fragen stellen (Fragen „verpflichten“ Gesprächspartner zu einer Antwort)
Gesprächspartner direkt (Du, Sie) ansprechen
wenig sprechen, kurze Äußerung (Sie sind aktiver Zuhörer, nicht Redner)
sprechen Sie das vermutete Gefühl oder den vermuteten Wunsch an (vgl. Beispiele)
Gefühlszustand an das Satzende setzen (das zuletzt Gesagte ermöglicht Thema = Gefühl / Wunsch)
keine Spekulationen oder psychologischen Schlußfolgerungen / Interpretationen